OFZ — Osteoporoseforschungszentrum

 

Sport und Rehabilitation in der frühen Menopause
3-Jahres Ergebnisse der Erlanger Fitness und Osteoporose Präventions Studie (EFOPS)

Kemmler, W.*; Engelke, K.*; Pintag*; Beeskow*; Weineck, J.#; Hensen, J.+ und Kalender W.A.*
*Institut für Medizinische Physik, FAU; #Institut für Sportwiss., FAU; +Klinikum Nordstadt Hannover
(pdf)

Die ersten Jahre der Menopause sind für viele Frauen ein kritischer Zeitraum mit negativen Einflüssen auf die körperliche Fitness, die Lebensqualität und die Gesundheit. Regelmäßige körperliche Belastung besitzt gerade während dieser Lebensphase einen hohen Stellenwert, da die negativen Effekte des fehlenden Östrogens auf das Herz-Kreislauf-, Diabetes- und insbesondere das Osteoporose-Risiko zumindest teilweise kompensiert werden können. Es fragt sich jedoch, ob alle obigen Risikofaktoren durch ein spezielles Training beeinflusst werden können oder ob jeweils spezifische Trainingsmaßnahmen nötig sind.
Aus diesem Grund untersuchten wir innerhalb der Erlanger Fitness Osteoporose Präventions-Studie den Einfluss eines mit realistischer Häufigkeit durchgeführten Trainings auf die körperliche Fitness, die Lebensqualität, das Herz-Kreislauf- und insbesondere das Osteoporose-Risiko bei Frauen kurz nach der Menopause (1-8 Jahre), die zudem eine niedrige Knochendichte aufwiesen.

Untersuchungsdesign

137 Frauen aus dem Großraum Erlangen wurden nach Befragung und Knochendichtemessung in die Untersuchung eingeschlossen. Keine der Frauen hatte innerhalb der letzten Jahre eine Erkrankung oder nahm Medikamente ein, die negativ (bspw. Cortison) oder positiv (bspw. Östrogen) auf den Knochen einwirkten. Nach einer Ernährungsanalyse wurde eine tägliche Versorgung von 1500 mg Kalzium und 500 Einheiten Vitamin D sichergestellt. 86 Teilnehmerinnen nahmen am Training teil, 51 Frauen stellten sich als Kontrollgruppe zur Verfügung.

Trainingsübersicht

Ein viermaliges Training je Woche wurde angestrebt, davon zweimal als gemeinsames Training (60-70 min), zweimal als Heimprogramm (Seilspringen, ausgewählte Übungen, ca. 25 min). Die Belastungshöhe des Trainings wurde langsam gesteigert, um Verletzungen zu vermeiden

Gemeinsames Training:

1. Abschnitt
Gehen, Laufen, kleine Spiele, Low- und High-Impact Aerobic (Belastung 70% der max. Herzfrequenz). Dauer 20 min.

2. Abschnitt
(ab 6. Monat)
Seilspringen (100 Sprünge) Sprungkrafttraining (insg. 60 Sprünge) mit mittlerer Belastung. Dauer ca. 5 min.

3. Abschnitt
1mal je Woche Krafttraining an Geräten (10-13 Übungen mit mehreren Durchgängen)

1mal je Woche Halteübungen, Übungen mit dem Band sowie Übungen mit Kurzhanteln,
Gewichtswesten und Getränkekästen

- stetig ansteigende Belastungshöhe -
regelmäßige Messungen der
maximalen Krafttrainingsvorgaben (Trainingspläne)

Zusätzlich:
Training der Beweglichkeit nach dem Stretching-Prinzip

Ergebnisse:

68 Frauen der Trainingsgruppe und 36 Frauen der Kontrollgruppe wurden nach 38 Monaten zur Kontrollmessung eingeladen. 33 Frauen verließen die Studie vorzeitig. 11 Frauen wurden wegen im Untersuchungszeitraum vorgekommener Erkrankung oder Medikamenteneinnahme ebenso ausgeschlossen wie 15 Frauen mit zu geringem Trainingsbesuch (weniger als 2mal/Woche).

Die abschließenden Untersuchungen in der Trainings- und in der Kontrollgruppe im Hinblick auf folgende Gesichtspunkte:
Knochendichte
Herz-Kreislauf-Risikofaktoren
Körperliche Fitness
Lebensqualität

zeigten eindeutig positive Ergebnisse in allen Bereichen.


Zusammenfassung:

Die Erlanger Fitness und Osteoporose Präventionsstudie ist unseres Wissens die derzeit einzige Untersuchung, welche den Einfluss eines komplexen Trainingsprogrammes auf die körperliche Fitness, die Lebensqualität sowie Osteoporose- und Herz-Kreislauf-Risiko bei Frauen kurz nach den Wechseljahren umfassend untersucht. Die Ergebnisse nach 3 Jahren Training sind dabei sehr positiv. So wurde die Knochendichte stabilisiert bzw. leicht erhöht, die Blutfette deutlich gesenkt, die Schmerzhäufigkeit und –stärke besonders an der Lendenwirbelsäule wesentlich verringert und Kraft und Ausdauer maßgeblich verbessert. Darüber hinaus zeigte das Sportprogramm positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen, während sich für typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Depression und Kopfschmerzen nur tendenziell bessere Werte für die Trainingsgruppe finden lassen. Die Stärke unserer Untersuchung ist neben der Vielfalt der untersuchten Größen der vergleichsweise geringe Aufwand, mit dem das Sportprogramm durchgeführt wurde. Unser Programm orientierte sich hinsichtlich Geräteausstattung, Trainingshäufigkeit und Übungsleiterschulung eng an den Grenzen und Möglichkeiten derzeitiger Reha-Sportprogramme, um eine weitgehende Übertragbarkeit unserer Ergebnisse zu gewährleisten.

Zusammenfassend empfehlen wir Frauen in den Wechseljahren, aber auch älteren Frauen dringend eine Teilnahme an Sportangeboten wie dem unseren. Mit einem vergleichsweise geringen zeitlichen Aufwand kann neben maßgeblichen Risikofaktoren der postmenopausalen Frau die körperliche Fitness (und damit die Selbständigkeit im Alter) und die Lebensqualität wesentlich verbessert werden.

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